Entwaldungsfreie Lieferketten
Kakaoanbau und Walderhalt — Wege zu einer Lösung am Beispiel Westafrika
Gemeinsam kleine Schritte zu großen machen

Forum Nachhaltiger Kakao ISM 2017

Auf Einladung des Forum Nachhaltiger Kakao diskutierten Experten auf der Internationalen Süßwarenmesse (ISM) in Köln vor knapp 100 Teilnehmern Lösungsansätze, um Kakaoanbau und Walderhalt in Einklang zu bringen.© Foto: Forum Nachhaltiger Kakao/A. Köhring (von links): Alistair Davis (OLAM), Brigitte Laliberté (Bioversity International), Elijah Kofi Owusu (Juabesco-Bia Landscape Management Board Ghana) Christian Mensah (Rainforest Alliance), Ulrike Tröger (GIZ) auf der Internationalen Süßwarenmesse (ISM), Köln.

Köln/Berlin, 30.01.2017 – „Alle vier Sekunden wird Waldfläche in der Größe eines Fußballfeldes vernichtet“ – hierauf wies Gunther Beger, Abteilungsleiter Grundsatzfragen EZ; Zivilgesellschaft, Kirchen und Wirtschaft; ländliche Entwicklung im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), anlässlich der Veranstaltung des Forum Nachhaltiger Kakao zum Thema „Kakaoproduktion und Walderhalt – Wege zu einer Lösung am Beispiel Westafrika“ hin.
Einer der großen Treiber von Entwaldung in Westafrika ist die Landwirtschaft. In Ghana ist seit dem Jahr 1990 ein Drittel der gesamten bewaldeten Fläche des Landes verschwunden. In der Côte d’Ivoire sind es seit der Unabhängigkeit im Jahr 1960 über 80%, derzeit 250.000 ha jedes Jahr. Beger führte aus, dass diese Flächen zum großen Teil auch in Kakaoanbauflächen konvertiert werden. Geringe Ernten veranlassen die Kakaobauern, immer wieder neue Flächen urbar zu machen.

Im Forum Nachhaltiger Kakao haben sich Unternehmen der deutschen Süßwarenindustrie, des deutschen Lebensmittelhandels und der Zivilgesellschaft mit der Bundesregierung zusammengeschlossen.

Das Anliegen des Forums ist es, eine nachhaltige Wertschöpfungskette Kakao voranzubringen, in der Entwaldung mittelfristig keine Chance mehr hat.Wolf Kropp-Büttner, Vorstandsvorsitzender, Forum Nachhaltiger Kakao

Dieses Anliegen unterstrich Christian Mensah von der Rainforest Alliance und in Westafrika für das Nachhaltigkeitsprogramm Kakao zuständig. „Wenn der letzte Baum stirbt, stirbt auch dein Geschäft mit dem Kakao“ laute ein lokales Sprichwort. Mensah betonte, dass dieses Wissen allerdings wenig bewirke, wenn die Kakaobauern weiterhin in Armut blieben. „Wer vor der Frage steht, wie er seine Familie ernähren kann, hat keine Wahl“, so Mensah in Köln.

Landschaftsansatz eröffnet auch beim Kakaoanbau Zukunftsperspektiven

Nachhaltiger Kakaoanbau und Walderhalt müssen im Rahmen eines Landschaftsansatzes zusammengebracht werden, so lautete der Appell der Umwelt- und Agrarexperten. Die Industrie müsse über den gängigen sektoralen Ansatz hinausgehen.

Ein Beispiel ist die Juabeso-Bia Landschaftsmanagement-Initiative aus Ghana. Deren Ansatz ist es, die Kakaobauern vom Erhalt der Ressourcen wirtschaftlich profitieren zu lassen. Elijah Kofi Owusu, ihr Vorsitzender, stammt aus einer Kakaobauernfamilie. Anders als er sollen seine sieben Kinder eine gute Schulbildung genießen und wenn möglich zur Universität gehen. Er forderte: „Wir müssen den Kakaoanbau gut managen. Es ist wichtig, dafür auch gutes Geld zu bekommen.“ Die Juabeso-Bia-Initiative setzt auf Diversifizierung des Anbaus; neben Kakao werden andere Feldfrüchte, etwa Maniok, angebaut, und es wird in Bienenhaltung investiert.

Ulrike Tröger von der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) verwies neben den bekannten Leistungen des Waldes als Lieferant von Holz, medizinischen Pflanzen, Kohlenstoffspeicher auf seine Bedeutung für das Mikroklima und die Wasserregulation. Damit ist der Wald auch für den Kakaoanbau in der Region von größter Bedeutung und trägt entscheidend dazu bei, die Auswirkungen des Klimawandels zu mildern. Am Beispiel des Tai-Nationalparks in der Côte d’Ivoire, dem letzten großen zusammenhängenden Regenwaldgebiet Westafrikas, zeigte die Umweltexpertin, dass der Erhalt von schützenswertem Wald mit einzigartigem Artenreichtum möglich ist. Die waldbedeckte Fläche blieb hier über Jahrzehnte nahezu unverändert – wenn auch unter enormen Anstrengungen seitens der Nationalparkmanager.

Damit dies trotz wachsender Bevölkerung weiterhin gelingt, appellierte Ulrike Tröger an die Industrievertreter, den Schutz des Nationalparks und weiterer Waldgebiete in der Nähe zu unterstützen. Sie sagte: „Übernehmen Sie Verantwortung gegenüber den Kakaoproduzenten, und leisten Sie einen Beitrag zur Sicherung der Produktionsgrundlage.“ Dies funktioniere, wenn die verbliebenen Schutzgebiete weiterhin ausreichend unterstützt und länderübergreifend verbunden werden. Kakaoanbau in Agroforstsystemen kann dazu einen wichtigen Beitrag leisten.
Wie kann es gelingen, den Kakao ertragreicher und auch widerstandsfähiger beispielsweise gegen Trockenheit infolge des Klimawandels zu machen? Brigitte Laliberté von Bioversity International sieht die Chance in der Vielfalt des Pflanzenmaterials, die bewahrt und genutzt werden muss. „Wir untersuchen die genetische Vielfalt mit dem Ziel beispielsweise der Qualitäts- und der Ertragssteigerung. Gleichzeitig müssen wir heute schon vorhersehen, welche Eigenschaften in fünf oder zehn Jahren für einen nachhaltigen Anbau wichtig sind“, beschreibt Brigitte Laliberté die Herausforderung ihrer Arbeit. Der afrikanische Kakao, der ursprünglich von Pflanzen in Lateinamerika abstammt, benötige eine größere genetische Vielfalt, um auch in Zukunft noch geeignetes Pflanzmaterial zur Verfügung zu haben.

Als ein an einem Waldschutzvorhaben in Ghana beteiligtes Unternehmen stellte Alistair Davis von OLAM dessen Lösungsansätze vor. Er forderte dazu auf, Waldschutz und Maßnahmen gegen fortschreitende Entwaldung zum wesentlichen Inhalt gemeinsamer Initiativen der Wirtschaft zu machen. Und: „Kakaobauern brauchen bessere Preise und auch Prämien für ihr Produkt, um investieren zu können – in Bäume, in besseres Pflanzgut und in die Gestaltung nachhaltiger walderhaltender Landschaften.“

Dem Kern dieses Plädoyers werden sich die Mitglieder des Forums, auch in Zusammenarbeit mit anderen Initiativen, noch verstärkt widmen.

Forum Nachhaltiger Kakao

Bild: ©Koelnmesse GmbH; Thomas Klerx

Der umfassende Multi-Stakeholder-Ansatz, bei dem Bundesregierung, Süßwaren-Industrie, Einzelhandel, Zivilgesellschaft und Partnerländer gemeinsam am Ziel einer nachhaltigen Kakaowertschöpfungskette arbeiten, hat Vorbildcharakter! Peter Bleser, Parlamentarischer Staatssekretär, Bundesministerium Ernährung und Landwirtschaft (BMEL)

Nationaler Aktionsplan "Wirtschaft und Menschenrechte"

Peter Bleser, der auf der Internationalen Süßwarenmesse (ISM) in Köln die Veranstaltung „Kakaoanbau und Walderhalt – Wege zu einer Lösung am Beispiel Westafrika“ eröffnete, unterstrich das Ziel der Bundesregierung, der globalen Entwaldung auch auf dem Weg entwaldungsfreier Lieferketten entgegenzuwirken. Deutschland werde seinen Vorsitz bei der Gruppe zur Umsetzung der Amsterdam-Erklärung  nutzen, um den europaweiten Austausch zwischen den verschiedenen Rohstoffinitiativen zu fördern.
Dabei solle das Forum Nachhaltiger Kakao eingebunden werden.
Erfolgsrezept des Forums mit seinen über 70 Mitgliedern seien das gemeinsame Engagement der Multistakeholder- Initiative gegen Missstände und das Engagement in den Erzeugerländern.

Am 21.12.2016 wurde nach zwei Jahren gemeinsamer Arbeit der Nationale Aktionsplan Wirtschaft und Menschenrechte  PDF,  609 KB,  im Bundeskabinett verabschiedet.


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