Jahrgangsbeste

Die preisgekrönte Süßwarentechnologin Susanne Reisnecker im Interview

Jahr für Jahr stellen die Unternehmen der Süßwarenindustrie neue Auszubildende ein. Darunter sind Industriekaufleute, Bürokaufleute und viele mehr. Ein Berufsbild, das es nur und ausschließlich in der Süßwaren- und Schokoladen-Branche gibt, ist die Ausbildung zum Süßwarentechnologen bzw. der Süßwarentechnologin. Rund 100 junge Frauen und Männer starten nach ihrem Schulabschluss mit jedem Ausbildungsjahr ihre berufliche Reise in der Welt der Süßwarenproduktion. Je nach der persönlichen Leidenschaft stehen diese fünf Wahlbereiche zur Auswahl: das Herstellen von Schokoladewaren- und Konfekt oder Bonbons und Zuckerwaren oder Feinen Backwaren oder Knabberartikeln oder Speiseeis. Die Berufsschule findet an der Zentralfachschule der Deutschen Süßwarenwirtschaft e.V. (ZDS) in Solingen statt. Pro Ausbildungsjahr kommen für insgesamt zwölf Wochen die angehenden Süßwarentechnologen aus der ganzen Republik nach Solingen, um ihr Wissen auch außerhalb des ausbildenden Betriebs zu vertiefen. Dabei wohnen sie auf dem Campus der ZDS.

Im Jahr 2019 hat Susanne Reisnecker ihre zweijährige Ausbildung zur Süßwarentechnologin bei der Firma Riegelein & Sohn, Cadolzburg, erfolgreich abgeschlossen. Wobei ‚erfolgreich‘ untertrieben ist – sie ist die Deutschlands Jahrgangsbeste und wurde dafür vom Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie e.V. (BDSI) ausgezeichnet und erhielt eine Einladung von der Industrie- und Handelskammer (IHK) nach Berlin, um am zentralen Würdigungsevent in der Hauptstadt teilzunehmen. Dort wurden im Dezember 2019 die Jahrgangsbesten aller Ausbildungsberufe vom Agrartechnischen Assistent bis zum Zweiradmechatroniker geehrt. Und mittendrin: Die Süßwarentechnologin mit Schwerpunkt Schokolade: Susanne Reisnecker.

Nach dem Abschluss ihrer Ausbildung hat sie in München angefangen, Lebensmitteltechnologie zu studieren. Wir hatten die Chance, mit ihr zu sprechen.

Schokoinfo.de: Wir gehen davon aus, dass Sie Süßwaren gerne genießen?
Reisnecker: Oh ja, insbesondere Schokolade. Daher habe ich auch nach einer Schokoladenfirma für meine Ausbildung gesucht. Schon mit 13 Jahren habe ich angefangen, zu Hause selbst Pralinen herzustellen. Aber Schokolade ist nicht leicht zu verarbeiten und ich wollte die Geheimnisse kennenlernen, wie es richtig geht – auch im großen Maßstab.

Schokinfo.de: Wann ist der Entschluss für die Ausbildung zur Süßwarentechnologin in Ihnen gereift, schon während der Schulzeit?
Reisnecker: Nein. Ich hatte verschiedene Ideen. Ursprünglich wollte ich Lehrerin werden und habe nach der Schule ein Freiwilliges Soziales Jahr an einer Grundschule absolviert und dabei festgestellt: Das ist nichts für mich. Also fand eine Kehrtwende um 180 Grad statt und ich bin meiner Leidenschaft, den Lebensmitteln, gefolgt. Ich habe angefangen, im Lebensmittelbereich zu recherchieren und hatte mich dann sehr für den Beruf als Konditorin interessiert. Doch da hat mir die technische Komponente gefehlt. Dann fand ich das Profil der Süßwarentechnologin, die genau dieses Element beinhaltet. Süßwarentechnologin ist technischer, das war für mich spannender. Die Kombination aus Technik, Maschinenbedienen und Süßwaren hat für mich perfekt gepasst.

Schokinfo.de: Und wie sind Sie dann auf die Firma Riegelein als Ausbildungs-Betrieb aufmerksam geworden?
Reisnecker: Zwei Faktoren haben dabei eine Rolle gespielt. Ich wollte in einen Schokoladen-Betrieb, dessen Produkte ich auch interessant finde. Als zusätzliches Bonbon liegt die Firma Riegelein auch noch in der Nähe zu meinem Wohnort. Also hat es da perfekt für mich gepasst.

Schokoinfo.de: Wie lief der Bewerbungsprozess und war es schwierig, eine Stelle zu finden?
Reisnecker: Nein, es war sehr unkompliziert. Nachdem ich meine Bewerbung abgeschickt hatte, bekam ich einen Termin für ein Vorstellungsgespräch. Ich war ein bisschen zu früh und habe in der Eingangshalle warten müssen und jeder, der vorbeikam, war sehr freundlich, hat gegrüßt und so schon einen tollen Eindruck hinterlassen. Das Vorstellungsgespräch war ebenfalls sehr herzlich und harmonisch und dann bekam ich das Angebot, das ich gerne angenommen habe. Noch vor dem Ausbildungsbeginn wurden alle Auszubildenden zu einem Schnuppertag eingeladen und konnten die Produktion besichtigen. Wenn man das vorher noch nie gesehen hat, ist das sehr beeindruckend.

Schokoinfo.de: Wissen Sie noch, wie die ersten Tage waren?
Reisnecker: Ehrlich gesagt, ich habe mich am Anfang ein bisschen verloren gefühlt. Um das zu erklären, muss ich ausholen. Das Konzept sah vor, dass wir im Rahmen der Ausbildung chronologisch die gesamte Produktionskette durchlaufen, vom Wareneingang und den Rohstoffen bis hin zum fertigen Produkt und der Verpackung. Also begann meine Ausbildung beim Wareneingang und den Rohstoffen und ich bekam in den ersten Wochen überhaupt keine Schokolade zu sehen. Im Nachhinein muss ich sagen, dass dieser Weg genau richtig war. Und mit Schokolade durfte ich noch sehr viel arbeiten.

Schokoinfo.de: Welche Voraussetzungen sollten Bewerber Ihrer Meinung nach mitbringen, wenn sie eine Ausbildung zum Süßwarentechnologen starten wollen?
Reisnecker: Auf jeden Fall das Interesse am Produkt, also an Süßwaren. Und da Süßwaren Lebensmittel sind, muss man hygienisch arbeiten können. Wichtig sind außerdem ein gewisses technisches Verständnis und eine Affinität zu Maschinen. Ich finde die Maschinen faszinierend und habe sie, wenn ich das so sagen darf, liebgewonnen. Wie in den allermeisten Berufen geht es nicht ohne Kommunikation untereinander, Kommandos geben und empfangen und im Team zusammenarbeiten bringt den Erfolg. Und letztlich auch eine gewisse Kreativität und ein bisschen handwerkliches Geschick. Denn spätestens die Abschlussarbeit ist Handarbeit.

Schokoinfo.de: Was war Ihre Abschlussarbeit?
Reisnecker: Ich hatte fast zu viele Ideen und musste mich ein wenig bremsen. Klar, es sollte etwas Schokoladiges sein, und ich wollte etwas mit weißer Schokolade machen. Und weil die Abschlussprüfung im Sommer stattfand, wollte ich etwas Kühles und Fruchtiges kreieren. So kam ich auf die Idee der Vodka-Lime-Praline. Sie ist wie ein sommerfrischer Cocktail in Schokolade. In der Chocothek, der gläsernen Manufaktur der Firma Riegelein, habe ich während der Ausbildung außerdem das Schminken von Schokoladeprodukten mit Schokolade für mich entdeckt (Anmerkung der Redaktion: Schminken bedeutet in diesem Zusammenhang das Bemalen oder Beschriften von Schokolade mit verschiedenen Schokoladensorten). Also musste meine Praline natürlich auch geschminkt werden.

Schokoinfo.de: Wo haben Sie Ihre Praline entwickelt?
Reisnecker: Bei anderen Unternehmen gehen die Azubis in die Produktentwicklung. Bei uns war es die Chocothek. Ich hatte die ersten Versuche schon zu Hause ausprobiert und diese dann in der professionellen Umgebung der Chocothek ausgereift und fertiggestellt. Normalerweise besorgen einem die Unternehmen alle Zutaten, nur ich war zu ungeduldig und bin selbst einkaufen gegangen, um flexibler zu sein.

Schokoinfo.de: Zurück zur Ausbildung. Der Unterricht findet zentral bei der ZDS in Solingen statt. Was können Sie davon berichten?
Reisnecker: Wir hatten den sogenannten Blockunterricht, jeweils drei bis vier Wochen am Stück. Bei der ZDS haben wir natürlich die Theorie gelernt, aber auch die Herstellung verschiedener Süßwaren: Bonbons, Gebäck und natürlich auch Schokolade. Das Interessante ist, sich mit den Eigenschaften der unterschiedlichen Rohstoffe auseinanderzusetzen.

Schokoinfo.de: Bei der ZDS kommen Auszubildende aus dem ganzen Land zusammen. Wie muss ich mir das vorstellen?
Reisnecker: Das war am Anfang erstmal ein Schock – NRW, weit weg von zu Hause. Das ist in anderen Ausbildungen nicht üblich. Aber das Internat, in dem die Azubis untergebracht sind, ist gut, das Essen in der Mensa ebenfalls und man lernt auf eigenen Füßen zu stehen. Zum Schluss waren wir drei Klassen mit je 25 Leuten. Insgesamt eine sehr schöne Zeit.

Schokoinfo.de: Wie hat sich Ihr Verhältnis zu Schokolade durch die Ausbildung gewandelt?
Reisnecker: Ich nehme sie heute viel bewusster wahr und weiß, wie viel Arbeit dahintersteckt, wie viele Menschen dafür und daran arbeiten. Wenn ich jetzt einen Schokoladen-Weihnachtsmann geschenkt bekomme, dann überprüfe ich zuerst, ob die Verpackung richtig sitzt. Dann wickle ich ihn aus und schaue mir die Schokolade an. Erst danach beiße ich rein. Schokolade genießen kann ich nach wie vor sehr gut.

Schokoinfo.de: Sie erhielten im Sommer eine Auszeichnung vom Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie für Ihre Ausbildung. Wie kam es zu der Auszeichnung?
Reisnecker: Ganz einfach, ich habe die Abschlussprüfung zur Süßwarentechnologin als Beste abgeschlossen. Über die Ehrung habe ich mich natürlich sehr gefreut. Ich wurde außerdem noch von der Industrie- und Handelskammer zu einer Gala-Veranstaltung nach Berlin eingeladen, in einem prunkvollen Hotel. Moderiert wurde das Ganze von Barbara Schöneberger. Da waren viele spannende Berufe vertreten und der Süßwarentechnologe war bei weitem nicht der einzige, über den viele nicht sehr viel wissen.

Schokoinfo.de: Können Sie die Ausbildung den Schulabgängern empfehlen?
Reisnecker: Das kann ich uneingeschränkt mit Ja beantworten.

Schokoinfo.de: Sie studieren derzeit in München Lebensmitteltechnologie, wo sehen Sie sich in fünf Jahren?
Reisnecker: Das Studium vertieft das Wissen und passt daher sehr gut zu mir. Wo ich in fünf Jahren sein werde, wird sich zeigen. Klar bin ich den Süßwaren und insbesondere der Schokolade immer noch sehr zugeneigt. Es gibt auch noch so viel zu erforschen, zum Beispiel das Auftreten des Fettreifs auf Schokolade. Ich freue mich auf alles, was kommt.

Schokoinfo.de: Haben Sie eine Lieblingsschokolade?
Reisnecker: Weiße Schokolade oder Schokolade mit Nugat

Schokoinfo.de: Liebe Frau Reisnecker, vielen Dank für dieses Gespräch.